Die Beine! Sie brennen! Lichterloh! Duathlon Krailling am 15.05.2011
- Montag, 16.05.2011
- Eingetragen in Wettkampf
- von Ralf
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Was ein Spaß! Bei Kilometer sieben auf dem Rad ist mir wieder eingefallen, warum ich bisher nur einen Duathlon gemacht habe: Das ist hammerhart! Deutlich härter als ein Triathlon. Da die Beine beim Schwimmen meist nur locker im Wasser hängen, sind sie zum Start des Radfahrens total entspannt. Das ist bei einem Duathlon, bei dem man am Anfang einen 10er im leicht submaximalen Bereich läuft, natürlich etwas anders.
Location
Der Start fand im Bauhof statt. Klingt etwas seltsam, ist aber von der Örtlichkeit her gar nicht schlecht.
Die Laufstrecke ging zum größten Teil durch den Wald, was mir leider vorher nicht bewusst war, sonst hätte ich nicht die leuchtgelben (und quasi noch fabrikneuen und jetzt endlich mit LockLaces versehenen) Saucony Type A4 als “Tanzschläppchen” ausgewählt. Einige Stellen waren mit Pfützen versehen, Wurzeln im Wald und absolut unebene Schotterpisten sind beim Laufen meine natürlichen Feinde.
Die Radstrecke war komplett gesperrt und eigentlich flach. Für mich als absolut schaltfaulen Aerolenkerlieger mit superschmalen Vision Bremshebeln sind regennasse Straßen mit mehreren Wendepunkten und Kreisverkehren nicht dazu geeignet, den Geschwindigkeitsweltrekord zu brechen. Insofern habe ich da sicherlich etwas Zeit liegen lassen.
Lauf 1
Irgendwie war ich sowieso etwas spät dran, habe mich dann nach der Startnummernabholung noch etwas mit einem Vereinskollegen verquatscht und konnte gerade noch mein Fahrrad einchecken, schnell wieder zum Auto und umziehen, was bei Temperaturen von zehn bis zwölf Grad Celsius im Freien nicht zu Begeisterung führt. Dann schnell zum Start. Ich stand ziemlich genau 35 Sekunden vor dem
Startschuss an der Startlinie. Nach dem Startschuss ging es natürlich gleich ab wie die Feuerwehr, waren ja immerhin die Bayerischen Meisterschaften im Duathlon und daher auch richtig gute Läufer am Start. Ich hatte meinem Plan im Kopf und wollte mich nicht von dem Tempo anstecken lassen. Als es nach ca. 100 Metern in den Wald ging, war es zuerst etwas chaotisch und eng, regulierte sich dann aber recht schnell, als ich feststellte, dass ich meinen Garmin auf den Multisportmodus eingestellt hatte. Eigentlich ja eine gute Idee, nur habe ich beim Schwimmen keine Anzeige von Puls oder gar Rundengeschwindigkeit eingestellt, da es dort keinen Sinn macht. Bei der ersten Einheit beim Duathlon macht das allerdings schon Sinn. Also den Garmin beim Laufen vom Arm weg und im Wald die Datenfelder so eingestellt, dass ich wenigstens die Rundengeschwindigkeit aufs Display bekam. Ohne diese Anzeige hätte ich niemals den geplanten 04:00er Schnitt laufen können. Wenn es drauf ankäme, müsste ich sogar mit dem Garmin zum Bäcker gehen. Habe kein Gefühl für das gelaufene Tempo. Auf jeden Fall nicht bei einem Schnitt um die 04:00 Minuten pro Kilometer. Danach wieder den Garmin an den Arm. Das Feld hatte sich bis dahin schon deutlich entzerrt und es war nicht mehr weit bis zu der ersten Kilometermarke. Als ich diese passierte, machte der Garmin keinen Ton für die Autolap. Mist! Die auch noch einstellen. Dazu habe ich den Garmin dann aber am Handgelenk gelassen. Der Läufer hinter mir hat sicher gedacht, dass ich nicht mehr alle Latten am Zaun habe. Die Autolap griff dann bei 1,29 Kilometern und zeigte mir 03:49 als Rundentempo an. War ok, zwar unter dem geplanten Schnitt, aber was man hat, das hat man. Den Rest bin ich immer um die 04:00 Minuten pro Kilometer gelaufen. Im Wald ist der Sateliten-Empfang nicht immer gewährleistet, so dass der Garmin teilweise abenteuerliche Werte anzeigte. Mit der offiziellen Zeit kombiniert mit der Strecke aus dem Garmin ergibt sich ein Tempo von 04:03 Minuten pro Kilometer. Bei der Strecke durch den Wald finde ich das in Ordnung. Und kommt meiner persönlichen Vorgabe, die ich allerdings ohne Streckenkenntnis abgegeben hatte, sehr nahe. Beim ersten Wechsel habe ich rund 01:30 Minuten liegen lassen. Ich musste noch eine Windjacke anziehen, wäre sonst beim Radfahren erfroren.
Radfahren
Nach dem Losfahren war ich erstmal damit beschäftigt, die Oakley wieder auf ein sichtfähiges Niveau zu bekommen. Ich hatte sie beim letzten Teil des Laufs durch den Wald nach oben gesteckt und sie war natürlich beschlagen. Das erste Stück der Radstrecke war gerade und übersichtlich, so dass man da auch halbblind langfahren konnte. Von dem enormen Raddruck, der mich die ganze letzte Woche total begeistert hat und mich nach dem Trainingslager zu weiteren 300 Radkilometern führte, war nichts zu spüren! Die Oberschenkel waren absolut schwer und brannten wie nach einem Bad in Feuerquallen. Ich orientierte mich an der 250 Watt-Vorgabe und musste leider feststellen, dass es nicht möglich war, die 250 Watt zu drücken. Der 10er zuvor hat deutlich an den Kräften gezehrt. Nach dem ersten Schock wurden die Beine etwas lockerer und die angezeigte Wattzahl kletterte etwas nach oben. Nach fünf Kilometern spürte ich dann zum ersten Mal die Kälte. Der Oberkörper war durch das Under Armour Kurzarm Coldgear Shirt (habe ich schon mal erwähnt, dass es diesbezüglich NICHTS besseres gibt?
), TriTop und die Windjacke einigermaßen geschützt und auch noch warm, aber die Beine wollten nicht warm werden. Das Brennen, das ich spürte war keine Wärme, sondern wahrscheinlich das pure Laktat, dass mir durch die Oberschenkel schoss. Ich versuchte so gut wie möglich zu kurbeln und die Umgebung einfach auszublenden. Etwas Ablenkung bekam ich durch die Positionskämpfe und Überholvorgänge. Lief aber alles regelkonform ab. Ich habe nicht gelutscht und bei mir hat auch keiner gelutscht. So zog sich das Rennen dahin. Bei Kilometer 20 nahm ich das Brennen in den Oberschenklen schon gar nicht mehr wahr. Dafür stellten sich dann erste Kältempfindungen an meinen linken Fuß ein. Bei Kilometer 25 waren das dann schon fast Erfrierungserscheinungen, die sich ab Kilometer 32 auch auf den rechten Fuß ausdehnten. Kurz vor Schluss überholte mich ein 5er Pulk, der sicher nicht die 10 Meter Abstand einhielt, mit einer Geschmeidigkeit, dass ich schon dachte, dass ich stehe. Etwas vor dem Pulk sah ich einen einsamen Radfahrer. Mein Ziel war es, diesen noch vor dem Wechsel zu überholen und ich gab daher echt alles, was noch in den zittrigen Beinen drin war. Habe das dann auch geschafft, hatte aber beim Absteigen Probleme mit den Beinen. Gehen war fast nicht möglich, war alles etwas unkontrolliert. Ich habe relativ langsam das Rad zum Wechselplatz geschoben. Nachdem ich das Rad abgestellt hatte, wollte ich den Helmverschluss öffnen. Ging nicht. Die Finger wollten nicht reagieren. Erst nach einer gefühlten Ewigkeit habe ich den Veschluss dann aufbekommen. Die Windjacke wollte ich zuerst ausziehen, habe sie dann aber doch angelassen, da ich total durchgefroren war. Das macht einfach keinen Spaß bei Temperaturen unter 20 Grad Celsius! Der Wechsel in die Laufschuhe war auch nicht so ganz problemfrei, weil ich kein Gefühl mehr in den Füßen hatte. Die ersten 100 Meter beim Laufen waren optisch wahrscheinlich sehr nah am Laufstil eines Betrunkenen oder eines Menschen mit Gleichgewichtsstörungen.
Lauf 2
Schon nach den ersten Metern in den Laufschuhen spürte ich das Brennen in den Oberschenkeln wieder. Die Vorgabe (erster Kilometer unter 03:45) im Kopf hat mich dazu getrieben, einfach die Zähne zusammen zu beißen und die Schmerzen zu ignorieren. Mit 03:49 ist es mir nicht ganz geglückt, lasse ich aber trotzdem durchgehen. Kilometer zwei war dann mit 03:58 etwas langsamer, aber noch immer ganz in Ordnung. Ich konnte nochmal überholen und fühlte mich ganz gut, wobei die Lunge schon ganz schön gerasselt hat und die Atmung sicher nicht mehr entspannt klang. Bei Kilometer drei hatte ich endlich wieder Gefühl in den Füßen. Bei Kilometer 3,5 ist mir fast das Herz aus dem Brustkorb gesprungen und ich stand kurz davor, mit einem lauten Knall zu explodieren. Aufgeben war aber keine Option. Daher habe ich das Tempo deutlich gedrosselt und musste mich von einem der vorher Überholten wieder überholen lassen. Da er sich aber nicht deutlich absetzen konnte und der andere auch nicht aufschließen konnte, wusste ich, dass ich mit meinem Problem nicht alleine war. Den Rest der Strecke lief ich sicher nach Hause.
Fazit
Der Wettkampf war von mir als Chris-McCormack-No-Regrets-Alles-oder-Nichts-Gedächtnislauf geplant. Lauf 1 war für die Strecke sehr gut. Das Radfahren war hammerhart und durch die Kälte auch noch sehr unangenehm. Die Vorgabe von 250 Durchschnittswatt konnte ich nicht erfüllen. Am Ende stehen 240 Watt im Logfile. Mehr war unter diesen Bedingungen definitiv nicht drin. Der zweite Lauf war eigentlich auch in Ordnung und war auf jeden Fall sehr nah an der Alles oder Nichts Linie.
Die Organisation ist erstklassig. Die Laufstrecke durch den Wald war bei dem Wetter nicht so ganz meine Lieblingseinheit. Eine komplett gesperrte Radstrecke mit vielen Streckenposten wie in Krailling gibt es (noch) nicht überall, macht deutlich mehr Spaß. Verpflegung im Zielbereich war auch in Ordnung. Wenn es kein Duathlon wäre, würde ich ihn nächstes Jahr glatt wieder machen.
Ergebnis: 02:05:06 (9,5 Run - 36,6 Bike - 4,7 Run)
Platzierung: Ohne Startpass leider außer Konkurrenz (handgezählt: 70 von 142, AK: 13 von 24)
Hi Ralf,
sehr schöner Bericht, er einem die Füsse kalt werden lässt
Mein erster Duathlon kommt am Wochenende. Ist der erste Wechsel Laufen / Rad echt so hammerhart und schlimmer als der zweite?
Christian
Hallo Christian,
ich empfand es schon als sehr hart. Wenn man es nicht schafft, konstant einen Wattwert zu treten, den man im Training eigentlich locker treten kann, muss es schon hart sein, oder? Ich bin den ersten Lauf allerdings auch sehr schnell angegangen. War aber so geplant. Das kalte Wetter hat sicher auch eine Rolle gespielt. Auf jeden Fall ist ein Duathlon aber wesentlich härter als ein Triathlon.
Ich wünsche Dir viel Erfolg am Wochenende!
Bin eher zufällig über Deine Seite gestolpert. Du solltest definitv mehr am Raddruck arbeiten und Dich nicht von dem ganzen technischen Schnickschnack ablenken lassen. Nachdem wir in Krailling die gleichen Zeiten gerannt sind, kann ich Dir sagen, dass Du aufm Radl viel Potenzial nach vorne hast. Was willst Du denn in Roth radeln?