Es gibt kein schlechtes Wetter …
- Montag, 14.03.2011
- Eingetragen in Equipment
- von Ralf
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… es gibt nur schlechte Kleidung.
Den Spruch hat jeder mindestens schon 12.000 fach gehört. Und mindestens 11.999 Anmerkungen dieser Art gingen einem auf die Nerven, weil sie meistens von Leuten kommen, die angeblich 1972 im Herbst die Alpen nur in einer kurzen Sporthose und ohne warmen Tee überquert haben. Aber: An der Grundidee könnte ja tatsächlich was dran sein?
Diesen Winter bin ich dabei, den Inhalt dieser Aussage mit einer absolut unwissenschaftlichen (und höchst subjektiven) empirischen Studie zu belegen. Bisher konnte ich feststellen, dass es in der Tat so ist, dass wetterangepasste Kleidung den Spaß am Sport deutlich verlängern kann. Alles hat natürlich seine Grenzen und ist eine sehr individuelle Angelegenheit. Ich z.B. leide im Sommer bei Temperaturen über 27 Grad Celsius überdurchschnittlich. Da kann man leider nicht viel machen, außer Hektoliter von Flüssigkeit in sich zu schütten und zu hoffen, dass das Funktionsmaterial genug kühlt.
Im Winter ging es mir bisher immer so, dass ich dauerhaft beim Laufen draußen gefroren habe. Das Ergebnis war dann meist eine schöne Erkältung nach einigen Laufeinheiten. Daraufhin habe ich viele Einheiten indoor auf dem Laufband gemacht, was die Sache in punkto “Kältehärte” natürlich nicht verbessert hat. Vor dem Winter hatte ich noch gehofft, dass er nicht so hart und lang wird. Ich habe irgendwo eine Aussage von irgendeinem Meteorologen gehört, der sowas in der Richtung erzählt hatte. Das habe ich natürlich gleich als Fakt wahrgenommen. Ist aber leider nicht so gekommen. Inzwischen höre ich zunehmend Stimmen, die sagen, dass das einfach mal wieder ein normaler Winter sei. Bin ich froh, dass ich bisher viele nicht “normale” Winter erleben durfte.
Inzwischen fast fünf Monate Permafrost, Schnee und Eis sind nicht so mein Ding und dem täglichen Training auch nicht unbedingt zuträglich.
Daher habe ich vor kurzem angefangen, mein Equipment diesbezüglich zu optimieren. Für Läufe von ca. 30 Minuten kommen die meisten Leute mit den Sportklamotten vom Discounter sicher sehr gut durch den Winter. Wer aber auch im Winter Läufe von 30 Kilometern oder mehr, die dann auch schon mal drei Stunden dauern können, auf dem Plan hat, der sollte sich durchaus eine etwas bessere (und leider auch deutlich teurere) Garderobe zulegen. Ich persönlich habe diesen Winter mein Herz für Odlo (und in eingeschränktem Umfang auch für Gore) Funktionskleidung entdeckt. In der Regel sind die relativ teuer, wenn man aber mal die wahrscheinliche Benutzungsdauer, die Benutzungshäufigkeit, den persönlichen (und natürlich subjektiven) Nutzen und den Preis in Relation setzt, kommt ein gar nicht so schlechter Wert raus. Zumindestens wenn ich es für mich rechne.
Nachfolgend meine optimale Bekleidung für den Winter. Damit habe ich als “härteste” Einheit bei minus sechs Grad Celsius einen 26 mit 05:39er Schnitt, der insgesamt 02:27:38 Stunden gedauert hat, hinter mich gebracht und fühlte mich den größten Teil der Einheit sehr gut.
Kopf
Für den Kopf gibt es nichts besseres als eine Odlo Mütze. Ich habe sehr viele andere Mützen probiert und hatte entweder immer das Problem, dass sie sehr schnell durch den Schweiß nass wurden und dann der Kopf auskühlte oder dass die Mütze überhaupt nicht warm war. Von Odlo gibt es Mützen für alle Temperaturen. Es gibt Light- und Warm-Modelle, die sich in der Wärmeisolierung unterscheiden. Ich nehme meist zwei Mützen für den Lauf mit. So kann ich - wenn die erste Mütze nass ist - während der Einheit wechseln. Macht nicht nur bei längeren Einheiten bei niedrigen Temperaturen und Wind Sinn.
Hals
Absolut notwendig, um sich gegen die Kälte zu schützen ist ein Halstuch. Ich nehme immer eines dieser genialen Buff Multifunktionstüchern. Das kann man bei Bedarf auch über den Mund ziehen, falls die Luft extrem kalt ist und man schnell atmet. Für richtig kalte Temperaturen habe ich auch noch ein Windblocker Schlauchtuch von Decathlon, durch das man aber fast nicht atmen kann, falls man es über den Mund zieht.
Oberkörper 1. Schicht
An den Under Armour Cold Gear Shirts mit Kragen geht bei der ersten Schicht kein Weg vorbei. Ich habe hier auch einiges probiert, aber bisher bin ich nur mit den Cold Gear Shirts glücklich geworden. Selbst das Odlo Unterhemd, das angeblich bis minus 25 Grad Celsius taugen soll, kann nicht mit dem Tragekomfort und dem angenehmen (und warmen) Tragegefühl der Under Armour Sachen mithalten. Die Under Armour Shirts haben einen Kompressions-Effekt (sehr beliebt zur Zeit!) und liegen daher wirklich hauteng an. Ich empfinde es aber nicht als unangenehm.
Oberkörper 2. Schicht
Bei der zweiten Schicht variiere ich temperaturabhängig immer etwas. Bei Temperaturen über zehn Grad Celsius ziehe ich meist nur ein Kurzarm Funktionsshirt über die erste Schicht. Bis ca. fünf Grad Celsius kommen Langarm Funktionsshirts zum Einsatz. Bei Temperaturen unter fünf Grad gehe ich nur noch mit Thermoshirts von Odlo als zweiter Schicht vor die Türe.
Oberkörper 3. Schicht
Nach mehreren Jahren in meiner bewährten Kalenji-Laufjacke, habe ich diesen Winter auf ein winddichtes Modell von Odlo gewechselt. Das war sicherlich eine der besten Entscheidungen zum Thema Kleidung. In dieser Jacke kühlt man definitiv nicht (!) aus. Selbst Einheiten von drei Stunden in absolut nassgeschwitztem Zustand, kalten Temperaturen (deutlich kleiner 0 Grad Celsius) und Wind waren noch absolut erträglich. Teilweise bin ich auch mit der winddichten Radjacke gelaufen. Die hat den Vorteil, dass sie hinten zwei große Taschen hat, in der man noch Verpflegung, Wechselmützen etc. verstauen kann. Diese Jacke hat allerdings den Nachteil, dass sie durch den Radfahrer-Schnitt vorne nicht ganz so lang ist. Die Verarbeitungsqualität dieser Jacken ist absoluter Wahnsinn und hat mich überzeugt, einen etwas höheren Preis dafür zu bezahlen.
Hände
Ich habe inzwischen Handschuhe für alle Temperaturen. Für den Herbst habe ich mir tolle “Convertibles” von Nike gekauft. Das sind Fingerhandschuhe, die eine winddichte Hülle haben, die bei Bedarf über die Finger gezogen werden kann und den Handschuh so in einen Fäustling verwandelt.
Für etwas kältere Temperaturen nutze ich die Under Armour Cold Gear Fleece Handschuhe. Für den bereits erwähnten 26er bei arktischen Temperaturen habe ich Thermo Radhandschuhe von Gore benutzt. Gegen Ende war es zwar ziemlich warm in den Handschuhen, aber zwischendrin waren die wirklich mehr als notwendig. Sind auch winddicht und die Hände können dadurch nicht auskühlen: man bekommt definitiv keine kalten Finger.
Unterkörper 1. Schicht
Wenn es unter 0 Grad Celsius hat und die Laufdauer größer 01:30:00 Stunden beträgt, nutze ich eine Under Armour Cold Gear Compression Short. Die ist schön warm und durch die Kompression sitzt die Hose absolut eng am Körper und transportiert dadurch den Schweiß vom Körper weg. Die Kompressionswirkung ist mir hier allerdings absolut unwichtig, wie bei den Shirts übrigens auch.
Unterkörper 2. Schicht
Auf den kürzeren Strecken trage ich eine normale lange Laufhose. Wenn es über 01:30:00 Stunden geht, benutze ich eine Thermo Hose von Kalenji. Wenn ich damals gewusst hätte, dass die so schön warm ist, hätte ich gleich einen Fünferpack gekauft. Die Hose kostet im Decathlon schlappe 20 Euro. Das ist ein gutes Beispiel dafür, dass es manchmal auch mit den preiswerteren Klamotten einwandfrei geht. Bei windigen Bedingungen benutze ich eine winddichte Laufhose von Odlo. Das ist natürlich eine feine Sache, da man mit ihr durch den kalten Wind nicht auskühlt.
Socken
Ich habe das große Glück, dass ich in der Regel keine Probleme mit kalten Beinen und vor allen Dingen mit kalten Füßen habe. Insofern trage ich auch im Winter nur “normale” Laufsocken.
Schuhe
Wenn es schneit oder glatt ist, benutze ich die genialen Icebugs. Die sind wasserdicht, atmungsaktiv und absolut warm. Für längere Strecken (größer 12 Kilometer) auf Asphalt finde ich sie nicht so gut geeignet, aber das ist auch nicht der beabsichtigte Einsatzbereich. Ansonsten laufe ich momentan sehr viel in den Nike LunaRacer 2. Inzwischen habe ich auch auf den richtig langen Strecken (30 Kilometer oder mehr) keine Probleme mehr mit den Blasen am linken Fußballen. Ich kann nicht sagen, woran das liegt, bin aber glücklich, dass ich keine Blasen mehr bekomme. Die LunaRacer halten die Füsse auch bei Wind recht warm, was bei dem einen oder anderen Lightweight-Racer nicht der Fall ist. Dort kann der Wind teilweise ganz schön durch das luftige Mesh-Material pfeifen.
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