Sport im Glutofen: Ironman 70.3 Germany am 16.08.2009

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Ralf

Endlich im Ziel!

Der längste Wettkampf bisher mit dem längsten Post bisher.

Schwimmen:

Der Schwimmstart Der Schwimmstart war total angenehm. Ich war echt überrascht, dass es kein Gedränge oder Geprügel gab. Da war der Schwimmstart in Pressath dieses Jahr echt härter. Ich bin allerdings auch ganz am rechten Rand gestartet, um etwaigem Ärger aus dem Weg zu gehen. Das Schwimmen an sich lief gut, aber ich fand keine Beine, an die ich mich hängen konnte. Bei der Wende auf den Forerunner 310 XT (geniales Teil!) geschaut: 00:16:11. “Prima, voll in der Zeit”, dachte ich zuerst. Doch dann fiel mir ein, dass die Wende nicht bei 950 Metern sondern bei 900 Metern liegt. Somit war das nicht die Hälfte der Schwimmstrecke. Ich hatte mich etwas einlullen lassen vom allgemeinen Tempo. Da es keine Markierungen gab, war es schwer, die geschwommene Strecke einzuschätzen. Ich habe dann versucht, noch etwas Tempo zu machen, aber die vertrödelte Zeit war nicht mehr einzuholen. Da es bei einem Wettkampf mit einer Dauer von fünf Stunden oder mehr nicht auf zwei Minuten ankommen sollte, bin ich nicht mit Vollgas Der Schwimmausstieg geschwommen. Nach 35:22 Minuten endlich am Schwimmausstieg angekommen, bin ich mit dem linken Bein auf der Rampe und mit dem rechten Bein neben der Rampe aufgetreten. Ich fiel dabei fast um und habe mir so einen leichten Krampf im rechten Oberschenkel zugezogen. Danach war das rechte Bein irgendwie nicht mehr so richtig kontrollierbar. Nicht weiter schlimm, wenn ich nicht nach 50 Metern mit dem rechten Fuß am Boden hängengeblieben wäre: Sauber einen Zeh umgeknickt. In der allgemeinen Aufregung habe ich das in diesem Moment aber nicht so richtig mitbekommen. Nach einem kurzen Zwischenstopp auf dem Dixi ging es ab in die Transition Area 1.

Erster Wechsel:

Auf dem Weg zum Bike Die langen Wege zum Rad machen mich immer fertig. In der riesigen Wechselzone mit vielen anderen Athleten muss man sich erstmal orientieren. Am Rad angekommen, erstmal den Neo raus, Badekappe und Brille absetzen. Dann Radschuhe an, Helm auf, Brille auf. Startnummernband umlegen (das blöde Ding schließt manchmal nicht richtig!). Alles schön in den Wechselbeutel gepackt, damit nichts liegen bleibt. Als ich mit dem Fahrrad schon los wollte, habe ich festgestellt, dass ich mein Handtuch nicht eingepackt hatte. Also das auch noch in den Wechselbeutel. Und ab mit dem Fahrrad. Direkt beim Radaufstieg bekam ich dann schon die ersten Schicksale zu sehen: Kettenhänger, fast umkippende Sportler, Schaltungspannen. Vor dem Check-In fahre ich immer noch eine Runde und lege den leichtesten Gang ein, um solche Probleme zu vermeiden.

Rad:

Wichtige Tipps zur Radstrecke Vor dem Bike Check-In habe ich einen Trainingskollegen von Jörg getroffen, der mich über die Tücken der Radstrecke informiert hat. Er meinte, dass man auf keinen Fall die ersten fünf bis sechs Kilometer mit Vollgas losfahren solle, da danach gleich ein sehr langer Anstieg komme und man dort die Körner benötige. Ich denke, dieser Tipp war sehr wertvoll. Ich bin relativ verhalten angefahren und musste mich erstmal etwas sortieren, da jetzt der Zeh zu schmerzen anfing. Damit hatte ich aber nicht lange zu kämpfen, da ich beim ersten Anstieg meine Konzentration für andere Dinge benötigte. Dieser Teil der Strecke ist hammerhart. Da fährt man mit acht oder neun Kilometern pro Stunde hoch. Und das nicht nur 20 Sekunden. Auch hier wieder Schicksale: Das Fahrrad schiebende Leute, Sportler kurz vor dem Herzinfarkt. Ich habe das Teilstück durchgekurbelt, ohne aus dem Sattel zu gehen und ohne Vollgas zu machen. Wofür auch? Es waren danach noch 70 bis 80 Kilometer zu fahren. Irgendwann war der Anstieg zu Ende. Gott sei Dank! Dann kam ein Teilstück das optisch so aussah, als ob es bergab ging. Ich schaute auf den Garmin: 29 km/h. Nur 29km/h? Ich dachte schon, dass ich einen Platten hatte, denn irgendwie konnte das nicht sein. Da sich aber der Abstand zum Vordermann nicht merklich vergrößerte, musste es wohl stimmen. So ging das dann die ganze Zeit weiter: Bergauf, bergab. Mit teilweise echt üblen Kurven. An einer Stelle habe ich gerade noch gesehen, wie das Fahrrad in den Krankenwagen gehievt wurde. Ich hoffe, dass der entsprechende Fahrer auch schon im Krankenwagen lag. Wahnsinn, wie einige gefahren sind. Im Renn-Briefing wurde extra darauf hingewiesen, es standen auch Helfer mit gelben Flaggen (Vorsicht, langsam fahren!) vor den Kurven.
Nach der ersten Verpflegungsstation habe ich mir den Inhalt einer Wasserflasche in meinen AeroDrink-Behälter gedrückt. Plötzlich kommt der hintere Teil, in dem die beiden Trinkhalme stecken, nach oben geschossen und wäre mir fast aus dem Behälter gefallen. Ich habe keine Ahnung, wo da das Problem war, aber ohne den Behälter und die Trinkhalme kann ich kein Wasser trinken. Daher habe ich den Behälter immer wieder runtergedrückt, was aber nicht so richtig geholfen hat. Das Problem hatte ich dann bis zur zweiten Verpflegungsstation. Mit der dort gegriffenen Flasche habe ich den hinteren Behälter aufgefüllt. Danach war dieses Problem endlich gelöst. Die letzten Meter
Am letzten Anstieg mit 10% Steigung ist mir fast das Licht ausgegangen und ich habe nur noch die letzte Abfahrt nach Wiesbaden herbeigesehnt. Hier dann auch die letzten Schicksale auf der Radstrecke: Einer hätte fast am Straßenrand gekotzt. Zwei standen mit Krämpfen an der Seite. Unterwegs habe ich vier oder fünf Leute mit Pannen gesehen. Ich habe mir am Samstag auf der Expo noch eine Airgun mit drei Patronen gekauft, hatte einen Ersatzschlauch und einen Ersatzmantel dabei, vor dem Rennen habe ich beide Schläuche mit Doc Blue vollgepumpt. Eine Panne beim Radfahren hätte ich absolut nicht gebraucht.
Die letzte Abfahrt nach Wiesbaden war absolut erholsam, aber auch hier musste man ständig aufpassen: Schlechter Fahrbahnbelag und einige Kurven, erforderten volle Konzentration.

Zweiter Wechsel:

Radübergabe Die Radübergabe und das Finden des Wechselbeutels ging einwandfrei. Es waren unglaublich viele Helfer vor Ort, die einen nach Kräften unterstützten. Im Wechselzelt wurde der Beutel von einem Helfer ausgeschüttet und nach dem Einpacken der Radsachen wieder weggeräumt.

Laufen:

Runde eins auf dem heißen Asphalt Die ersten Meter auf der Laufstrecke gingen noch ganz gut. Nach ca. einem Kilometer kam der erste Anstieg, bei dem es auf einigen hundert Meter dreißig Höhenmeter zu überwinden galt. Das ist normalerweise kein Problem, mit den 90 Radkilometern in den Beinen ist das aber eine andere Kiste. Nach ca. 200 Metern dachte ich, dass mir meine Oberschenkel explodieren. Bei der direkt nach dem Anstieg folgenden Verpflegungsstation habe ich mir Eis gegriffen und das unter die Beine des Zweiteilers auf die Oberschenkel gesteckt. Das war eine sehr gute Idee, denn die Schmerzen ließen kurz darauf deutlich nach. Die Kilometerzeiten waren unterirdisch und deutlich von meinem erträumten 04:09 Minuten pro Kilometer Schnitt entfernt. Auf den flachen Stücken ging es einigermaßen, an den Anstiegen musste ich aber deutlich Tempo rausnehmen. Ab der zweiten Runde bin ich bei beiden Verpflegungssationen nur noch gegangen. Es war immer der gleiche Ablauf: Eis greifen, vorne ins Oberteil, hinten ins Oberteil, Rest unter die Mütze (Visor nehme ich nur noch im Winter, bei Temperaturen < 20° Celsius und bei Strecken < olympische Distanz), dann Pepsi greifen (in so einem Zustand schmeckt sogar die sehr lecker!), Wasser greifen, einen Teil in den Mund, den Rest über die Mütze und ins Gesicht. Am Ende noch einen oder zwei nasse Schwämme für den Weg zur nächsten Verpflegungsstation mitgenommen. Wahnsinn! Es war so heiß, dass ich dachte, dass mir gleich die Schädeldecke noch oben wegplatzt. Auch in der zweiten Runde war es warm
Ans Aufgeben habe ich allerdings nie gedacht, aber ich habe schon ganz schön gelitten. Dass ich dabei nicht alleine war, wurde mir klar, als ich (trotz meines Walker-Tempos) ständig Leute überholt habe und kaum selbst überholt wurde.
Der schönste Teil der Strecke war der Zielbereich. Dort standen Jörg und Petra und kurz danach hatten sich Dagmar und Lukas positioniert. Wundert mich, dass ich überhaupt noch was gesehen habe. Ich war definitiv auf Autopilot. Hätte ich noch klar denken können, hätte ich mich einfach mal zehn Minuten im Kurpark auf eine Bank im Schatten gesetzt und hätte ordentlich durchgeatmet. ;-)
Die Rundenzeiten wurden gegen Ende immer langsamer, aber ich hatte echt keine Kraft mehr, daran was zu ändern. Ich wollte das vierte Band (für die vierte Runde) und dann nur noch ab ins Ziel. Nach 05:31:37 war es soweit: Ich war ein halber Ironman!

Sportliches Fazit:

Der Preis für den Preis: Ein blau und rot schimmernder Fußzeh Die Schwimmleistung war nicht optimal, ist aber im Freiwasser bei mir leider so. Der erste Wechsel ist eine Schwachstelle. Der Raddruck war für diese Strecke absolut in Ordnung. Die vorher erträumten 02:50:00 Stunden wären bei etwas besserem (kälterem) Wetter und einer vorhandenen Streckenkenntnis auch nicht drin gewesen. Für 02:55 hätte es unter optimalen Umständen vielleicht gereicht. Die Laufleistung hat mich am meisten überrascht. Nur 01:48:44 für den Halbmarathon. Das ist Lichtjahre von der erträumten 01:30:00 entfernt. Ich war am Sonntag recht enttäuscht über diese “schlechte” Zeit. Mit dem Abstand von zwei Tagen und nach dem Studium der Ergebnisliste muss ich allerdings feststellen, dass diese Zeit doch nicht so schlecht ist. Immerhin ist es die 75. Laufzeit in meiner AK. Wie gesagt habe ich mit diesem Schneckentempo (05:08 Minuten pro Kilometer) noch reihenweise Leute überholt. Zudem waren es auf die 21,2 Kilometer laut Garmin 285 Höhenmeter. Insgesamt bin ich inzwischen zufrieden mit dem Ergebnis, obwohl natürlich eine Zeit unter 05:30:00 schön gewesen wäre.

Organisatorisches Fazit:

Tolle Stimmung in Wiesbaden Die Organisation des Wettkampfes ist zu 99,9999% perfekt. Das Renn-Briefing, die Location, die Verpflegung, die Helfer, die Streckenabsicherung: Alles erstklassig.
Zwei Punkte habe ich zu kritisieren: Es gab keine (Pepsi-)Cola im Athlete’s Garden an dem relativ kleinen Getränkestand direkt nach dem Zieleinlauf. Das ist aber sicher kein wichtiger Punkt. Etwas panne war der Bike Check-Out: Bei immer noch über 30° Celsius und nach einem über fünfstündigen Wettkampf mehr als 30 Minuten in der prallen Sonne stehen, um seine Beutel und das Rad zu bekommen, ist nicht optimal. Und warum beim Check-Out zuerst nur eine Person eine Kontrolle der Startbeutel/Bike/Startnummer gemacht hat und es danach drei Kanäle mit THW-Leuten gab, die das auch nochmal getan haben, erschließt sich mir nicht. Es soll Leute gegeben haben, die mussten 1,5 Stunden für den Check-Out aufwenden.
Ich finde den Preis von 187,30 Euro für diesen Wettkampf übrigens absolut gerechtfertig. Wenn man überlegt, was man für den Preis alles bekommt, schmerzt es mich nicht. Da habe ich im Verhältnis schon viel mehr Geld für deutlich schlechter organisierte Wettkämpfe bezahlt.

Lessons learned:

  • Ich konnte wieder mal feststellen, dass ich kein “Warmläufer” bin. Bei Temperaturen jenseits der 27° Celsius kann ich mein Potential nicht abrufen. Ohne Mütze (wie letztes Jahr in München) wäre ich wahrscheinlich umgekippt.
  • Eine Mitteldistanz kann ganz schön wehtun.
  • Beim Schwimmen muss ich härter zu mir sein.
  • Der erste Wechsel muss besser klappen.
  • Ohne Streckenkenntnis keine Zeitschätzungen mehr, auf dem Rad war ich teilweise 21 Minuten hinter meiner geplanten Zeit, das motiviert nicht wirklich.

Danke

Für die gute Saisonplanung und die sehr guten Trainingspläne möchte ich mich bei meinem Trainer Pierre Jander bedanken. Ein ganz besonderer Dank geht an Dagmar. Sie hat mich das ganze Jahr bei all meinen Aktionen voll unterstützt und stand am Sonntag immer an der Strecke. Auch Lukas war am Sonntag voll bei der Sache und hat mich sehr gut unterstützt.

4 Kommentare zu “Sport im Glutofen: Ironman 70.3 Germany am 16.08.2009”

  1. Daniel sagt:

    Toller Rennbericht mit schönen Fotos! Ich hab dich mal im Feedreader aufgenommen und werd weiter bei dir lesen. Viel Erfolg noch für dein Projekt 2011!

  2. Projekt 2011 » Blog Archive » Stairway to heaven: Bike & Run in Kastl am 06.09.2009 sagt:

    [...] genau richtig. Beim Laufen konnte man bequem den normalen Triathlon-Dress tragen - im Vergleich zu Wiesbaden war es allerdings schon fast ein [...]

  3. Projekt 2011 » Blog Archive » Das war 2009: Wettkämpfe sagt:

    [...] Training. Weniger ist in diesem Fall sicher mehr. Das Highlight war auf jeden Fall der Ironman 70.3 in Wiesbaden. Aber auch der Triathlon in Hof und der Saisonabschluss beim Halbmarathon von Weiden nach Amberg [...]

  4. Projekt 2011 » Blog Archive » Auch das noch: Der Triathlon-Wettkampfschuh 2010 sagt:

    [...] Letztes Jahr in Wiesbaden habe ich zum Beispiel endlich verstanden, warum es Schuhe mit Ablauflöchern für das Wasser gibt: Nicht wegen dem Regen, der eventuell in die Schuhe eindringen kann, sondern wegen dem ganzen Wasser, das man sich bei einem heißen/warmen Wettkampf über den Kopf und den restlichen Körper schüttet. Bei einem 1,5 stündigen Volkstriathlon, bei dem man 20 Minuten laufen muss, spielt das sicher keine Rolle, bei einer Mittel- oder gar Langdistanz ist das aber durchaus schon relevant. Ich hatte in Wiesbaden mindesten 0,2 Liter Wasser in jedem Schuh und die Socken waren auch voll mit Wasser. Das macht das Laufen nicht wirklich angenehmer. Als ich neulich im Sportladen den neuen Scott T2C stehen sah, habe ich mir den mal genauer angeschaut und wurde dabei wieder daran erinnert, dass so ein Wasserablauf prinzipiell wohl eine gute Sache sein könnte. Optisch ist er allerdings (für mich) keine Schönheit. Der T2Pro mit der aufklappbaren Ferse kommt für mich überhaupt nicht in Frage, dem Konstrukt traue ich nicht so richtig. Da passte es sehr gut, dass Europas größtes Triathlonmagazin in der Special 01/2010 Ausgabe einen großen Laufschuhtest veröffentlichte. Ich fand den Test sehr aufschlussreich und schließlich gab es für mich die folgenden Optionen: [...]

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