BWL? Soziologie? Hier geht es doch eigentlich um Sport! Stimmt! Aber manchmal hängen diese Dinge zusammen. So ist das auch beim Münchner Firmenlauf.

BWL:

Es geht immer darum, den Gewinn zu maximieren. Das ist ja eigentlich nicht verwerflich und auch legitim. Wenn man an den normalen Preisen nicht mehr drehen kann und auch die maximale Teilnehmerzahl nicht mehr erhöhen kann, wird es schwierig, noch mehr Gewinn zu machen. Außer man hat den genialen Einfall, eine Dienstleistung anzubieten, für die man Geld kassiert, die man aber gar nicht leistet. Im Bereich der Versicherungen ist das Modell so ähnlich ja auch gängig: Man versichert alles, kassiert die Präme, zahlt dann aber nicht, wenn der Schadensfall eintritt. Beim Münchner Firmenlauf wurde die geniale Idee des Duchstarterblocks entwickelt. Gegen einen nicht unerheblichen Aufschlag auf das sowieso schon teure Startgeld wird einem angeblich der Service geboten aus einem speziellen Bereich heraus zu starten, in dem nur schnelle Leute stehen. Die Idee ist super. Nur die Umsetzung war für den Eimer. Wenn der Veranstalter bei 30.000 Startern annimmt, dass sowas ohne Prüfung ablaufen kann, ist er entweder grenzenlos naiv oder definitiv nicht an der Einhaltung interessiert. Da ja auch schon die Jahre vorher Schnecken und Sonntagsläufer ganz vorne standen, denke ich, dass die Naivität ausscheidet.

Soziologie:

Wenn man eine Stunde in dem Startkanal eingepfercht wie Tiere im Viehtransporter steht, kann man sehr viel über Menschen und ihr Gruppenverhalten lernen. Zum Beispiel, dass Regeln immer nur für die anderen gelten. Ich weiß nicht, wie viele Leute ich gesehen habe, die über den Zaun gekletter sind und sich in den Startbereich gequetscht haben, ohne ein “D” (für Durchstarter) auf ihrer Startnummer zu haben. Der Abschuss war der ältere Herr, der wahrscheinlich schon 3.000 Marathons gelaufen ist. Hut ab dafür, aber das ist kein Grund sich zu benehmen wie der Holzklotz. Zuerst drängt er sich aus dem Startblock raus, um dann 20 Minuten später wieder über den Zaun reinzuklettern. Von einem Ordner auf sein fehlendes “D” angesprochen meinte er, dass ihn das nicht interessiere. Da hat man schon gemerkt, dass ihm der bei dem einen oder anderen Lauf zugezogene Sauerstoffmangel geschadet hat, denn er ließ sich nicht davon abbringen. Dann wollte er sich durch den inzwischen absolut dichten und gepressten Menschenhaufen drücken, um zu seiner Laufkollegin zu kommen. Zuerst gab es Diskussionen mit anderen Sportlern und dann fast ein Handgemenge. Wahnsinn!

Sport:

Das Wetter war übel. Kurz vor dem geplanten Start gab es ein starkes Gewitter mit Blitzen etc., woraufhin der Start erstmal um 15 Minuten verschoben wurde. Als es dann losging war es so dunkel, dass ich durch meine Oakley (die man vorher ja durchaus brauchte) kaum noch was sehen konnte. Die Wege waren voller Pfützen. Ob es beim Lauf geregnet hat, kann ich gar nicht mehr sagen. War sowieso egal, ich war im Ziel nass bis auf die Knochen und das Wasser lief aus den LunaRacern. Auf Grund der leicht geänderten Streckenführung war die Strecke dieses Jahr 6,85 Kilometer lang anstatt 6,35 Kilometer bisher. Durch den ganzen Vorstress im Startblock bin ich aber mit keiner guten Einstellung in den Lauf gegangen und konnte mich auch nicht zu der absoluten Quälerei durchringen. Sonntag steht Hof auf dem Plan, das ist wichtiger. In der Endabrechnung hat es mit 26:30 für den 207 Platz gesamt (202 bei den Herren) gereicht.

Fazit:

Ich denke, dass ich mir diesen Streß nicht mehr geben werde. Die Organisation ist jedes Jahr eine Katastrophe. Das mit den Startblöcken werden die nie hinkriegen (und sind meiner Meinung nach auch nicht daran interessiert), die Gepäckausgabe mit unmotivierten Schülern ist auch nicht die beste Lösung, wenn man total durchnässt schnell trockene Klamotten haben will. LIchtblick war dieses Jahr allerdings die Getränkeausgabe, die deutlich besser organisiert war als bisher.