Manche Dinge kann man spüren
- Sonntag, 21.06.2009
- Eingetragen in Ernährung . Training
- von Ralf
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Am Freitag stand eine Radfahrt mit 4×10 Minuten Belastungsintervall mit 152-158 Puls auf dem Plan. Pierre wollte mal reinmessen, wie der Laktatwert bei einer solchen Belastung aussieht. Ich kurbelte mich also 30 Minuten locker warm und traf mich dann mit Pierre am verabredeten Ort. Als Strecke haben wir eine Wendepunktstrecke rausgesucht: fünf Minuten hoch, Wende, fünf Minuten zurück. Die Strecke geht am Anfang immer leicht bergauf, auf der Rückfahrt demnach immer leicht runter. Die Pulsvorgabe wurde von Pierre dann auf 152-156 korrrigiert. Er wollte das letzte Stück hinter mir mit dem Auto herfahren, um nach ziemlich genau zehn Minuten messen zu können. Ich machte mich also auf den Weg und merkte bereits auf den ersten hundert Metern, dass das keine Spazierfahrt werden würde. Auf dem Rückweg bin ich an einer leichten Welle kurzfristig über einen Puls von 160 gekommen. Nach ziemlich exakt zehn Minuten hat Pierre dann gemessen. Stechen, säubern, desinfizieren, messen, warten. Das Ergebnis: 9,0 mmol/l! Pierre wollte den Wert nicht glauben und hat gleich nochmal gemessen. 7,8 mmol/l! Selbst das erschien ihm zu hoch und er vermutete einen Messfehler. Also mit dem dritten Streifen gemessen: 7,0 mmol/l. Ein Messfehler konnte also ausgeschlossen werden: Ich war total übersäuert. Zu diesem Zeitpunkt fühlte ich mich allerdings noch gut und Pierre war ziemlich überrascht wegen dieser Werte. Da ich noch drei Intervalle vor mir hatte, beschloss er, dass ich die restlichen Intervalle nur noch mit 140-145 Puls fahren solle, da 152-156 offensichtlich zu hoch war.
Ich machte mich also auf den Weg, die restlichen Intervalle abzureissen. Manche Dinge kann man spüren: Nach so einem Laktatschock, kann ich unmöglich wieder auf so einem hohen Niveau fahren. Ich konnte nur mit sehr viel Mühe einen Puls von 140-45 fahren. Die Beine waren viel zu schwer. Im dritten und vierten Intervall schaffte ich sogar nur noch einen Puls von knapp 135. Es war unmöglich, schneller zu fahren. Recht enttäuscht kurbelte ich “locker” den Rest der geplanten 2,75 Stunden runter und fuhr dann nach Hause, da ja noch der geschmeidige acht Kilometer Tempodauerlauf mit 160-165 Puls auf dem Plan stand.
Zuhause angekommen stellte ich fest, dass ich mir mit dem Klettverschluss der Regenjacke, die man im Juni 2009 leider braucht, um mit dem Rad zu fahren, meine nagelneue Radhose von Skins beschädigt hatte. Manche Dinge kann man spüren: Die Wut auf mich selbst und die aufkeimende Unlust, den acht Kilometerlauf zu machen. Aber: Plan ist Plan und beim Wettkampf kann ich ja auch nicht aufhören, weil mir eine Fliege ins Auge geflogen ist. Ich dachte mir, Zähne zusammenbeissen und durch.
Den ersten Kilometer bin ich in 04:14 Minuten/Kilometer gelaufen und versuchte, so gut wie möglich, den Puls Richtung 160 zu schieben. Bei Kilometer zwei muss es irgendwie Klick gemacht haben, denn ab da bin ich immer unter 04:05 Minuten/Kilometer gelaufen. Mit einer Delle bei Kilometer fünf (04:10 Minuten/Kilometer) und Kilometer sechs (04:13 Minuten/Kilometer). Mit der Vorgeschichte finde ich das ziemlich gut. Manche Dinge kann man spüren: Die Gewissheit, dass ich so ein Tempo auch nach 20 oder 40 Radkilometern abliefern kann. Ich freue mich schon auf den Triathlon in Weißenbrunn nächste Woche!
Am Samstag standen dann 2,5 Stunden GA1 mit dem Fahrrad und anschließend ein Lauf über 18 Kilometer auf dem Plan. Das Radfahren lief ganz gut. Beim Laufen hatte ich bis Kilometer 11 ein gutes Gefühl, ab Kilometer 13 war es nicht mehr ganz so locker, bei Kilometer 15 gingen mir so langsam die Körner aus und der letzte Kilometer war die Hölle! Manche Dinge kann man spüren: Die Ernährung spielt bei solchen Trainingsumfängen eine enorm wichtige Rolle. Wenn man nicht ordentlich darauf achtet, zieht es einem unweigerlich den Stecker. Ich denke, dass ich hier ansetzen muss, um mich weiter zu verbessern, denn einige Reiswaffeln und 500 Gramm Trauben am Freitagabend sind zu wenig, um am Samstagmorgen schon wieder Leistung zu bringen.
Manche Dinge kann man spüren. Und zwar ganz direkt: Es ist NICHT Sommer, wenn es kaum mehr als 20° Celsius hat. Und wenn, dann immer nur einen oder zwei Tage lang. Ich habe die Hoffnung auf einen Sommer übrigens aufgegeben und werde mir demnächst wahrscheinlich eine Gore Radjacke zulegen!
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